Die innere Sicherheit
Geben Sie Husten und Schnupfen keine Chance: Stärken Sie Ihre körpereigene Abwehr gegen die Angriffe von Viren und Bakterien. So werden Sie auch die letzten kalten Tage ohne Schniefnase und Halsschmerzen überstehen
Wissen Sie, dass Sie in diesem Moment vielleicht gerade angegriffen werden? Nein, Sie brauchen sich nicht umzudrehen, Sie werden Ihren Angreifer nicht entdecken. Er ist winzig und startet seine Attacke in großer Zahl. Die kugeligen, schraubigen oder auch behaarten Übeltäter sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Die Bakterien, Viren oder Pilze versuchen ständig, in Ihren Körper einzudringen. Sind auch nicht alle gefährlich, so können doch einige zu lästigen Erkältungen und manche sogar zu einer lebensbedrohlichen Infektion führen. Keine Bange, Sie werden viel besser beschützt, als eine ganze Mannschaft Bodyguards das könnte. Und zwar durch Ihr Immunsystem. Seine Helfer sind als Organe, Zellen und Eiweiße über den gesamten Körper verteilt, was es neben dem Nervensystem zum komplexesten Netzwerk macht, das wir kennen.
Erreger arbeiten mit ausgefeilten Tricks
Solange die Abwehr reibungslos funktioniert, bemerken wir nicht, wie sich die Teile des Systems gegen fast jeden Krankheitserreger verbünden. Ist das Immunsystem jedoch geschwächt, arbeiten die Erreger mit ausgefeilten Tricks –und sind Bakterien und Viren besonders aggressiv, kann es zu einer Erkältung oder einer anderen Infektion kommen. Sie selbst können aber viel dafür tun, die Lücken in Ihrer Abwehr zu schließen. Wenn Schädlinge einen Angriff starten, treffen sie zunächst auf die äußere Abwehr. Alle äußeren Oberflächen unseres Körpers sind mit Schutzüberzügen ausgestattet, die Mikroorganismen effektiv den Eintritt versperren. Um diese Barriere aufrechtzuhalten, ist es wichtig, die Haut zu pflegen und mit viel Feuchtigkeit zu versorgen. Sonnencreme zum Beispiel schützt die Haut vor den schädlichen UV-Strahlen und vor Verbrennungen. Die Inhaltsstoffe der Cremes sollten die Haut aber nicht reizen. Damit die Augen und auch die Schleimhäute der Atemwege und des Magens nicht austrocknen und den Weg bereiten für Erkältungsviren und Bakterien, sollte man viel trinken und die Räume gut lüften – vor allem jetzt in der kalten Jahreszeit. Haben die Angreifer dennoch eine Lücke in der äußeren Abwehr gefunden, treffen sie auf unsere innere Verteidigungslinie. Diese besteht aus einer Vielzahl von Zellen: etwa den verschiedenen weißen Blutkörperchen, die Erreger auffressen – oder aber Botenstoffe aussenden, um weitere Helfer anzulocken oder Antikörper zu produzieren, um die Eindringlinge als schädlich zu markieren und sie sodann zu beseitigen. Das Grundgerüst für unsere innere Verteidigung bildet das Lymphsystem, ein weitverzweigtes System, das die Immunzellen zu den Organen bringt und Krankheitserreger abtransportiert. Dieses Fundament wird gestärkt durch Organe des Abwehrsystems, wie zum Beispiel den Thymus (einem kleinen Organ oberhalb des Herzens) und die Milz, sowie durch Gewebe wie etwa das Knochenmark, die Lymphknoten, die Mandeln und insbesondere das lymphatische Gewebe des Darms. Einige dieser Organe sind für die Produktion von Abwehrzellen zuständig, andere für deren Reifung und Aktivierung. Damit dieses kompexe Ineinandergreifen reibungslos ablaufen kann, benötigt es Ihre Unterstützung. Eine Möglichkeit sind hierbei Kneipp’sche Güsse. Dazu brausen Sie Ihre Waden unter der Dusche je zehn Sekunden erst warm und dann kalt ab und wiederholen das Ganze ein paar Mal. So wird das Immunsystem alarmiert und damit auf Dauer trainiert, um sofort auf Gefahren zu reagieren.
Ingwer ist eine Wunderwaffe für die Abwehr
Der Wechsel von warm zu kalt ist es auch, der die Sauna so gesund macht. Denn neben der Stimulation des Immunsystems wird durch den Temperaturwechsel der Stoffwechsel und die Wärmeproduktion angeregt, die Gefäßmuskeln trainiert, die Durchblutung gefördert und das Nervensystem gestärkt. Wer allerdings schon erkältet ist, sollte seinen geschwächten Körper auf keinen Fall dieser Anstrengung aussetzen. Immunzellen brauchen zudem Vitamine und Spurenelemente, um in Form zu bleiben. Besonders viel Vitamin C liefern Brokkoli, Rosenkohl, Weißkohl, Paprika, Kiwi, Sanddorn und Zitrusfrüchte. Wer sich einen Abwehrkräfte-Drink aus frisch gepresstem Zitronensaft und gekochtem Wasser machen möchte, sollte darauf achten, dass das Wasser nach dem Kochen noch ein paar Minuten abkühlt, bis es lauwarm ist, weil sonst viel von den Vitaminen zerstört wird. Eine echte Wunderwaffe für unser Immunsystem ist Ingwer. Die Knolle fördert nicht nur die Durchblutung, sondern wirkt auch antibakteriell. Schon bei den ersten Anzeichen einer Erkältung sollte man ein paar kleine Scheiben Ingwer in einem halben Liter Wasser 30 Minuten köcheln lassen – Ingwerstücke herausnehmen und das warme Wasser (vielleicht mit Honig gesüßt) trinken. Eine gute Verstärkung für unsere Abwehrtruppen sind auch Knoblauch, Zwiebel oder Porree. Ihre schwefelhaltigen Inhaltsstoffe, etwa Alliin, wirken antibakteriell und können dadurch Infektionen verhindern. Wer es etwas schärfer mag, kann Paprika, Pfeffer und Chili beim Essen einsetzen. Sie verbessern die Durchblutung unserer Schleimhäute, durch die nun vermehrt Fress- und Killerzellen strömen, die Jagd auf Krankheitserreger machen. Bedenken Sie aber, dass bei zu langem Kochen viel von den Vitaminen zerstört wird. Schonender sind Garverfahren. Auch spielt es nicht nur eine Rolle, was wir essen, sondern auch, wie viel. Denn das Immunsystem von unter-, aber auch von übergewichtigen Menschen arbeitet weniger effektiv. Sein Gewicht zu halten schützt also gegen Viren und Bakterien. Auch Alkohol, Tabak oder Ozon schaden dem Körper und schwächen das Abwehrsystem. Wer sich einen Rausch antrinkt, setzt sein Immunsystem für etwa 24 Stunden nahezu komplett außer Gefecht. Krankheitserreger haben es dann leicht einzudringen. Als Abbauprodukt von Zigarettenrauch, Smog, Ozon oder auch bei Stoffwechselvorgängen im Körper entstehen freie Radikale, das sind aggressive Sauerstoffverbindungen. In geringen Mengen braucht unser Körper sogar die freien Radikale, etwa um das Immunsystem zu aktivieren. Nehmen sie jedoch Überhand, können sie auf Dauer zum Beispiel Krebs, einen Herzinfarkt oder den grauen Star begünstigen. Eine starke Belastung für das Immunsystem ist auch Stress, weil er den Körper veranlasst, vermehrt Cortisol auszuschütten. Dieses Stresshormon sorgt dafür, dass die Aktivität des Immunsystems heruntergeregelt wird. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Menschen, die sich im Beruf dauerhaft überfordert fühlen oder familiäre Probleme haben, anfälliger für Erkältungen, Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten sind. Setzen Sie sich also aktiv mit Ihren Problemen auseinander und legen Sie regelmäßig Pausen ein. Lernen Sie, bewusst abzuschalten, zum Beispiel mit Entspannungsübungen, Yoga oder aber der richtigen Atemtechnik. Auch Massagen können helfen: US-Forscher haben kürzlich nachgewiesen, dass schon nach einer 45-minütigen Massage die Anzahl der weißen Blutkörperchen zunimmt und dass der Anteil des Stresshormons Cortisol im Blut nach einer Massage sinkt.
Langschläfer haben das bessere Immunsystem
Ebenso wichtig wie kleine Entspannungspausen am Tag ist ein erholsamer Schlaf in der Nacht. Menschen, die dauerhaft zu wenig schlafen, sind nicht nur müde, unkonzentriert und meist auch schlecht gelaunt, sie erkranken auch deutlich häufiger an Infektionen als ausdauernde Schläfer. Das Immunsystem nutzt nämlich die nächtliche Ruhephase zum Auftanken, zum Beispiel, um den Verschleiß an weißen Blutzellen wieder auszugleichen. Dies bestätigt auch Prof. Brian Preston vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Er hat das Schlafverhalten von 26 Säugetierarten untersucht und herausgefunden, dass die Langschläfer die höchste Rate an weißen Blutkörperchen aufzeigen und damit auch am besten gegen Parasiten geschützt sind. Achten Sie also darauf, dass Sie möglichst alle Tiefschlafphasen durchlaufen. Dann ist Ihnen der Erholungseffekt sicher. Einer der wichtigsten Tipps für ein gut funktionierendes Immunsystem ist Bewegung, Bewegung und noch einmal Bewegung. So wird etwa beim Schwimmen, Laufen oder Tanzen das Herz-Kreislauf-System in eine Extremsituation versetzt. Der Körper reguliert daraufhin die Qualität seiner Abwehrzellen hoch, was sie fit macht für einen echten Angriff. Zudem wird die Darmtätigkeit und der Lymphfluss angeregt. Der Vorteil: Dadurch werden Schadstoffe schneller aus dem Körper transportiert. Damit die Wirkung von Dauer ist, braucht es aber Regelmäßigkeit. Experten empfehlen, dreimal pro Woche etwa 30 Minuten Sport. Dabei sollen Sie aber bitte nicht zum Leistungssportler werden. Schon ein leichtes Ausdauertraining wie Jogging oder Schwimmen hilft dem körpereigenen Abwehrsystem, seine Arbeit zu machen. Sie können auch einfach von Auto, Bus oder Bahn aufs Fahrrad umsteigen, das würde Ihre Abwehr bereits ausreichend stärken. Ausreden zählen nicht, denn auch im Winter gibt es genügend Möglichkeiten, aktiv zu werden. Nur übertreiben sollten Sie es nicht. Wer seinen Körper zu sehr strapaziert, kann ihm durch die Überanstrengung auch schaden und ihn so wieder anfälliger für Infektionen machen.
Mittel aus der Naturapotheke
Wenn es um die Gesundheit geht, setzt ein Großteil der Deutschen auf die Naturmedizin. Besonders beliebt unter den Pflanzenstoffen ist Echinacea. Der Extrakt aus dem Sonnenhut soll die Gefahr, sich zu erkälten, lindern. Das berichteten US-Forscher unlängst im Fachmagazin „The Lancet Infection Diseases“. Auch Arzneien aus der Kapland-Pelargonie sind zur Behandlung von Erkältungen sehr populär. Noch nicht identifizierte Wirkstoffe lassen unsere Flimmerhärchen in den Atemwegen schneller schlagen und fördern dadurch den Abtransport des zähen Schleims. Wie sie genau wirken und ob sie das Immunsystem dauerhaft stärken, ist noch nicht ausreichend untersucht. Gerne werden in der Erkältungszeit auch heimische Heilpflanzen benutzt. Die Hagebutte zum Beispiel besitzt hohe Dosen der Vitamine C, A, B1, B2 und K, die nachgewiesenermaßen in einem gewissen Maß die schädlichen freien Radikale im Körper abfangen können. Am sinnvollsten ist es, die Hagebutte zu zerkleinern und während der Erkältungszeit täglich aufzubrühen und als Tee zu trinken. Bitte beachten Sie: Fertige Produkte haben den Großteil der Vitamine bereits verloren. Daher ist es immer besser, die ganzen Früchte zu verwenden. Die Ginsengwurzel ist die am meisten verwendete Heilpflanze in Asien. Doch auch in Deutschland hat sie zahlreiche Anhänger. Denn die sogenannten Ginsenoside sorgen dafür, dass die Zahl der weißen Blutkörperchen zunehmen. Außerdem sollen sie die Killer- oder Fresszellen des Abwehrsystems aktivieren. Für den Fall aber, dass die Erkältung Sie doch erwischt haben sollte, ärgern Sie sich nicht – jeder Infekt ist ein wichtiges Training für Ihr Immunsystem. Auf diese Weise lernt es, sich immer wieder mit all seinen Mitteln zur Wehr zu setzen. Und nach spätestens einer Woche sollten Sie den Infekt auch wieder überstanden haben.


